Die Teilnahme an der praktischen Studienzeit ist gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 4 JAG NRW Zulassungsvoraussetzung für die staatliche Pflichtfachprüfung.


Dauer

Die praktische Studienzeit dauert insgesamt drei Monate. Sie ist während der vorlesungsfreien Zeit in der Regel in zwei Teilen abzuleisten (§ 8 Abs. 2 JAG NRW). Die praktische Studienzeit findet in der Regel sechs Wochen in der Rechtspflege, vornehmlich bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt, oder in einem Unternehmen der freien Wirtschaft und mindestens sechs Wochen bei einer Verwaltungsbehörde statt. Sie kann auch bei überstaatlichen, zwischenstaatlichen oder ausländischen Ausbildungsstellen oder einer ausländischen Rechtsanwältin oder einem ausländischen Rechtsanwalt abgeleistet werden (§ 8 Abs. 3 JAG NRW).
Die praktische Studienzeit kann in Nordrhein-Westfalen, in einem anderen Bundesland oder im Ausland abgeleistet werden.

Aufteilung

Eine Aufteilung der sechs Wochen in zwei mindestens dreiwöchige Abschnitte wird generell genehmigt. Hierzu bedarf es keines gesonderten Antrages durch die einzelnen Studentinnen oder Studenten. Dabei können die jeweils dreiwöchigen Teile bei unterschiedlichen Ausbildungsstellen und in verschiedenen vorlesungsfreien Zeiten absolviert werden.

Verwaltungspraktikum

Das Verwaltungspraktikum kann bei Kommunal-, Landes- oder Bundesbehörden, Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts sowie bei überstaatlichen, zwischen-staatlichen oder ausländischen Behörden abgeleistet werden. Entscheidend ist der öffentlich-rechtliche Status der Stelle. Privatrechtlich organisierte Stellen (z.B. "Stadtwerke GmbH", "Goethe-Institut e.V.") sind einer Verwaltungsbehörde auch dann nicht gleichgestellt, wenn sie öffentlich-rechtliche Aufgaben wahrnehmen. Die Ausbildung soll einzeln oder in kleinen Gruppen erfolgen.

Für alle Praktika gilt, dass sie in der vorlesungsfreien Zeit abzuleisten sind und ein Volljurist die Ausbildung leiten muss. Lediglich bei Städten, Kreisen und Kommunen wird auf die Leitung durch einen Volljuristen verzichtet.

Rechtspflegepraktikum

Das Praktikum im Bereich der Rechtspflege findet vornehmlich bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt, oder in einem Unternehmen der freien Wirtschaft statt. Ein Praktikum in einem Unternehmen der freien Wirtschaft ist in der Rechtsabteilung des Unternehmens unter Leitung eines Volljuristen abzuleisten.

Praktika bei Gerichten oder Staatsanwaltschaften

Praktika, die bei Gerichten oder Staatsanwaltschaften abgeleistet werden, werden als Ableistung der praktischen Studienzeit des Abschnitts Rechtspflege anerkannt, nicht als Verwaltungspraktika.

Einer Einwilligung der Vorsitzenden des Justizprüfungsamtes Hamm für Praktika bei Gerichten und Staatsanwaltschaften bedarf es nicht. Bewerbungen um einen Praktikumsplatz bei einem Amts- oder Landgericht sind an die Präsidentin / den Präsidenten des jeweils zuständigen Landgerichts zu richten. Bewerbungen um einen Praktikumsplatz bei einem Präsidialamtsgericht (Dortmund oder Essen) sind an die Präsidentin / den Präsidenten dieses Amtsgerichts zu richten.

Praktikumsbescheinigung

Ein Muster für eine Praktikumsbescheinigung steht auf Seite 5 des Merkblatts über die praktische Studienzeit (siehe unten) zur Verfügung. Dieses kann, muss aber nicht verwendet werden. Bei der Verwendung der Musterbescheinigung muss die Ausbildungsstelle aus dem Stempel bzw. dem Dienstsiegel erkennbar sein. Die Unterschrift der Ausbilderin / des Ausbilders alleine reicht nicht aus.

Studienortwechsler

Studienortwechsler, die die praktische Studienzeit bei einem Wechsel nach Nordrhein-Westfalen noch nicht vollständig abgeleistet haben, haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie vervollständigen die praktische Studienzeit nach dem ursprünglichen Recht oder sie tun dies nach nordrhein-westfälischem Recht, wobei aber im letzten Fall kein Ausbildungsabschnitt kürzer als drei Wochen sein darf.