Meldung für den Freiversuch

Meldet sich ein Prüfling spätestens bis zum Abschluss des achten Fachsemesters, d. h. bis zum 31. März (Wintersemester) bzw. 30. September (Sommersemester) eines ununterbrochenen Studiums zur Ablegung aller Prüfungsleistungen der staatlichen Pflichtfachprüfung und besteht er die Prüfung nicht, so gilt diese als nicht unternommen (Freiversuch).

Entscheidend ist der Eingang der Meldung bei dem Justizprüfungsamt. Um den Freiversuch wahrnehmen zu können, müssen sich Prüflinge, die sich zum Ende ihres achten Fachsemesters zur Prüfung anmelden, zum Ende des Wintersemesters spätestens für die Aufsichtsarbeiten im Mai, zum Ende des Sommersemesters spätestens für die Aufsichtsarbeiten im November melden.

Liegen mehr Meldungen vor als Plätze zur Verfügung stehen, entscheidet der Zufall. Der Zeitpunkt der Meldung hat keinen Einfluss auf den Monat der Anfertigung der Aufsichtsarbeiten. Das Verfahren findet erst nach dem 31. März bzw. 30. September statt, so dass eine Meldung kurz vor dem Stichtag keine Vorteile bringt, sondern im Gegenteil das Risiko birgt den Freiversuch zu verlieren, wenn die Meldeunterlagen unvollständig sind und nicht mehr rechtzeitig vervollständigt werden können.

Beantragung von Freisemestern

Freisemester gemäß § 25 Abs. 2 Nr. 1 – 6 JAG NRW sind bei dem Justizprüfungsamt spätestens mit der Meldung zur staatlichen Pflichtfachprüfung zu beantragen. Sie können beantragt werden, sobald die Voraussetzungen erfüllt und die zum Nachweis erforderlichen Unterlagen vorliegen. Vordrucke gibt es nicht. Der Antrag ist selbst zu formulieren. Urlaubssemester der Universität sind für das Justizprüfungsamt nicht bindend.

§ 25 Abs. 2 JAG NRW zählt abschließend auf, unter welchen Voraussetzungen Freisemester gewährt werden können. Unberücksichtigt bleiben nur volle Semester. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass gemäß § 25 Abs. 5 JAG NRW die Summe der nach § 25 Abs. 2 JAG NRW unberücksichtigt bleibenden Semester auf vier beschränkt ist. Dies gilt auch dann, wenn in Unkenntnis bereits vorher anerkannter Semester mehr Freisemester bewilligt wurden.

1. Längere schwere Krankheit oder ein anderer zwingender Grund (§ 25 Abs. 2 Nr. 1 JAG NRW)

Fachsemester, während derer der Prüfling nachweislich wegen längerer schwerer Krankheit oder aus einem anderen zwingenden Grund am Studium gehindert war, bleiben bei der Berechnung der Fachsemesterzahl unberücksichtigt und gelten nicht als Unterbrechung. Im Falle der Erkrankung hat der Prüfling unverzüglich eine amtsärztliche Untersuchung herbeizuführen und mit der Meldung das amtsärztliche Zeugnis vorzulegen, das die medizinischen Befundtatsachen enthält, aus denen sich eine Studienunfähigkeit ergibt (§ 25 Abs. 3 JAG NRW).

Um ein Freisemester wegen Erkrankung gewähren zu können, muss der Prüfling durch ein amtsärztliches Attest nachweisen, dass er mindestens vier Wochen während der Vorlesungszeit völlig am Studium gehindert war.

Ein Hinderungsgrund ist insbesondere anzunehmen, wenn mindestens vier Wochen der Mutterschutzfrist in die Vorlesungszeit fallen (§ 25 Abs. 3 Satz 1 JAG NRW).

Die Kosten einer amtsärztlichen Untersuchung trägt der Prüfling. Der Amtsarzt wird vom Prüfling selbst beauftragt. Eine Beauftragung durch das Justizprüfungsamt erfolgt nicht.

2. Studiengangsverzögerung infolge einer Behinderung (§ 25 Abs. 2 Nr.2 JAG NRW)

Bis zu vier Semester können bei der Berechnung der Fachsemesterzahl für den sogenannten Freiversuch unberücksichtigt bleiben, wenn der Prüfling durch Vorlage geeigneter Nachweise eine Verzögerung seines Studienganges infolge einer Behinderung geltend macht.

3. Auslandsstudium (§ 25 Abs. 2 Nr. 3 JAG NRW)

Für ein Auslandsstudium können bis zu drei Semester bei der Berechnung der für den Freiversuch maßgeblichen Fachsemesterzahl unberücksichtigt bleiben, wenn der Prüfling nachweislich an einer ausländischen Universität für das Fach Rechtswissenschaft eingeschrieben war und rechtswissenschaftliche Lehrveranstaltungen in angemessenem Umfang, in der Regel von mindestens acht Stunden je Woche, im ausländischen Recht besucht und je halbjährigem Studienaufenthalt mindestens einen Leistungsnachweis im ausländischen Recht erworben hat. Zum ausländischen Recht zählt auch Völker- und Europarecht sowie internationales Privatrecht.

Der Nachweis der Wochenstunden kann geführt werden durch Vorlage einer Bescheinigung der Universität über die Wochenstunden der einzelnen Kurse aber auch durch Vorlage des Kursbuches oder des Vorlesungskommentars, falls die Stundenzahl dort angegeben ist.

Sollten seitens der ausländischen Universität nur Blockveranstaltungen angeboten werden, muss eine Belegung von mindestens 96 Stunden nachgewiesen werden.

Ein Freisemester kann auch bewilligt werden, wenn mindestens 12 ECTS-Credits in Vorlesungen im ausländischen Recht erworben wurden.

4. Fachspezifische Fremdsprachenausbildung (§ 25 Abs. 2 Nr. 4 JAG NRW)

Ein Semester kann unberücksichtigt bleiben für eine an einer inländischen Hochschule nachweislich erfolgreich abgeschlossene fremdsprachige rechtswissenschaftliche Ausbildung, die sich über mindestens sechzehn Semesterwochenstunden erstreckt hat.

Bei Vorliegen der Voraussetzungen für mehrere Fremdsprachen kann pro Fremdsprache ein Freisemester gewährt werden.

Die fachspezifische Fremdsprachenausbildung muss im Umfang von mindestens 16 Semesterwochenstunden parallel zum Studiengang Rechtswissenschaften auf Staatsexamen absolviert worden sein, damit ein Freisemester bewilligt werden kann.

5. Fremdsprachige Verfahrenssimulation / Moot Court (§ 25 Abs. 2 Nr. 5 JAG NRW)

Für die Teilnahme an einer Verfahrenssimulation, die von einer inländischen oder ausländischen Hochschule in fremder Sprache durchgeführt wurde, bleibt ein Semester bei der Berechnung der Fachsemesterzahl unberücksichtigt, wenn der Prüfling hierfür Lehrveranstaltungen von mindestens sechzehn Semesterwochenstunden besucht und einen Leistungsnachweis erworben hat. Insbesondere, dass in der erforderlichen Wochenstundenzahl an fremdsprachigen Veranstaltungen teilgenommen wurde, ist durch eine Bescheinigung der Universität nachzuweisen.

Sofern die Teilnahme an einem Moot Court Teil der Schwerpunktbereichsprüfung ist, führt dies dazu, dass das entsprechende Semester auf die Freischussfrist anzurechnen ist (kein Freisemester). Ein Leistungsnachweis kann nicht zugleich als Beleg der Voraussetzungen des § 7 Abs. 1 Nr. 2 JAG NRW (Zwischenprüfung) oder des § 28 Abs. 3 Satz 3 JAG NRW (Schwerpunktbereichsprüfung) eingesetzt werden (§ 25 Abs. 4 JAG NRW).

6. Gremien- und Hochschultätigkeit (§ 25 Abs. 2 Nr. 6 JAG NRW)

Für die Mitgliedschaft in gesetzlich oder durch die Grundordnung vorgesehenen Gremien der Hochschule oder Wahrnehmung des Amtes der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten können bis zu drei Semester unberücksichtigt bleiben. Die bloße Mitgliedschaft im Gremium reicht nicht aus. Um ein Freisemester zu erhalten, muss eine Tätigkeit über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten mit einem Zeitaufwand von mindestens fünfzehn Stunden pro Woche durch eine Bescheinigung des Dekans der Fakultät nachgewiesen werden.

 

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    Formular für die Anmeldung zum Freiversuch/Freisemester